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KI-Chatbots für den Kundenservice – die Zukunft in ERP-Umgebungen?

Geschrieben von Lea Hoffmann | 28.08.25 12:21

Einleitung

Künstliche Intelligenz (KI) und Chatbots haben in den letzten Jahren enorm an Aufmerksamkeit gewonnen. Viele mittelständische Unternehmen fragen sich, ob KI-Chatbots im Kundenservice wirklich einen Mehrwert bieten oder nur ein kurzlebiger Hype sind. Gerade in Verbindung mit ERP-Systemen wie Microsoft Dynamics 365 Business Central (BC) stellt sich die Frage, ob diese Technologie zum zukünftigen Standard wird. In diesem Blogartikel beleuchten wir praxisnah die Rolle von KI-Chatbots im Kundenservice, ihre Integration in Business Central, Beispiele aus dem Mittelstand, strategische Vorteile (inklusive ROI-Betrachtung), technische Voraussetzungen sowie Herausforderungen. Abschließend geben wir Handlungsempfehlungen für Entscheider – und liefern eine kritische Abwägung zwischen Hype und realem Nutzen.

Rolle von KI-Chatbots im Kundenservice

KI-gestützte Chatbots fungieren als digitale Assistenten, die rund um die Uhr mit Kunden kommunizieren können. Sie beantworten häufig gestellte Fragen, geben Produktempfehlungen oder bearbeiten Support-Anfragen – und das 24/7, ohne Pause. Für kleine und mittelständische Unternehmen, die oft keine großen Support-Teams haben, ist dies ein entscheidender Vorteil. Chatbots übernehmen Routineanfragen und entlasten Mitarbeiter, welche sich dann auf komplexere Anliegen konzentrieren können. Die Kunden profitieren gleichzeitig von schnellen und präzisen Antworten, was die Zufriedenheit erhöht.

Ein Blick auf aktuelle Studien zeigt, dass Chatbots im Kundenservice bereits fest etabliert sind. Laut einer Bitkom-Umfrage werden KI-Chatbots schon heute überwiegend im Kundendienst (89 % der Einsätze) und zudem im Marketing (40 %) erfolgreich genutzt. Kunden schätzen personalisierten Service rund um die Uhr, ohne dass Mitarbeiter überlastet werden.Auch intern stoßen KI-Assistenten nicht nur auf Skepsis: 57 % der Mitarbeiter können sich vorstellen, Unterstützung von einer KI zu erhalten. Chatbots beantworten Fragen innerhalb von Sekunden und lösen Standardprobleme eigenständig. Mittelständische Unternehmen profitieren doppelt: Sie steigern die Kundenzufriedenheit und senken gleichzeitig Kosten. Kurz gesagt, KI-Chatbots können schon heute als „Kundenservice von morgen“ gesehen werden– sofern man sie richtig einsetzt.

Integration von Chatbots in Microsoft Dynamics 365 Business Central

Ein entscheidender Aspekt ist, wie sich KI-Chatbots in ein ERP-System wie Business Central integrieren lassen. Dynamics 365 Business Central bietet eine offene Schnittstellen-Architektur (APIs und Webservices), die es ermöglicht, Chatbots an die ERP-Daten anzubinden. Microsoft selbst stellt hierfür Lösungen im Rahmen der Power-Plattform bereit. Insbesondere mit Power Virtual Agents (PVA) können Unternehmen ohne tiefes Programmierwissen eigene Chatbots entwickeln, die nahtlos auf Business-Central-Daten zugreifen. Über vordefinierte Konnektoren und Workflows (via Power Automate) kann der Bot z.B. Bestandsinformationen, Kundendaten oder Auftragsstatus aus BC abrufen.

Beispiel: Ein Chatbot könnte Fragen beantworten wie „Was ist der Status der Rechnung Nr. 123?“ oder „Wie viele Stück des Artikels ABC sind auf Lager?“ – und greift dabei in Echtzeit auf die ERP-Daten zu. Diese Interaktion kann sowohl extern (etwa auf der Website im Kundenportal) als auch intern erfolgen. So lassen sich Kundenanfragen automatisiert beantworten, und Mitarbeiter im Kundenservice gewinnen Zeit, weil sie Standardauskünfte nicht mehr manuell nachschlagen müssen. Gleichzeitig erlaubt solch ein Bot auch internen Nutzern, schneller an ERP-Informationen zu gelangen. Ein Praxisbeispiel dafür ist der Ask nOra Chatbot, der als virtueller Assistent in Microsoft Teams integriert wurde: Mitarbeiter können dort per Chatfrage direkt Informationen aus Dynamics 365 Business Central erhalten, als würden sie mit einem Kollegen sprechen. Möglich wird dies durch eine Anbindung von OpenAI-basierten KI-Diensten an das ERP, sodass der Bot die natürliche Sprache versteht und passende Daten aus Business Central herausfiltert.

Nicht zuletzt zeigt auch Microsofts aktuelle Produktoffensive mit Dynamics 365 Copilot, wohin die Reise geht. Copilot fügt eine Chatbot-ähnliche KI direkt in Business Central ein. Diese ermöglicht es Anwendern, per natürlicher Sprache nach Geschäftsdaten zu suchen oder sich Prozesse erklären zu lassen. Beispielsweise kann man Copilot fragen: „Zeig mir die neueste Verkaufsbestellung für Kunde XYZ“ – und das System öffnet direkt den entsprechenden Datensatz. Solche Integrationen verdeutlichen, dass Chatbots in ERP-Umgebungen nicht Zukunftsmusik sind, sondern bereits Realität und aktiv von Anbietern vorangetrieben werden. Die Hürde, einen eigenen KI-Chatbot mit Business Central zu verknüpfen, ist dank Cloud-Plattformen und vordefinierten Services heute so niedrig wie nie.

Praxisbeispiele aus dem Mittelstand

Wie sieht das konkret in mittelständischen Unternehmen aus? Ein öffentlich bekanntes Beispiel ist die Abfallwirtschaft Heidekreis (AHK) in Niedersachsen. Dieses kommunale mittelständische Unternehmen hat den KI-Chatbot „Wertstoff-Alex“ auf seiner Website eingeführt, um den Bürgerservice zu erweitern. Wertstoff-Alex fungiert als digitaler Mitarbeiter und beantwortet rund um die Uhr die häufigsten Fragen der Bürger zur Müllentsorgung im Heidekreis. Dadurch wird die telefonische Hotline gerade zu Stoßzeiten deutlich entlastet. Der Chatbot kennt z.B. Öffnungszeiten der Wertstoffhöfe, Standorte von Sammelstellen und ist sogar an interne Systeme wie den Abfalltourenplan angebunden. So kann er individuell – bis hinunter zur Straßenauskunft – mitteilen, wann welche Tonne geleert wird.

Dieses Beispiel zeigt eindrucksvoll, wie ein Chatbot Standardanfragen automatisiert erledigt und dabei echten Mehrwert liefert. Die AHK konnte Wartezeiten reduzieren und bietet nun einen erweiterten Service, auch für Bürger, die nicht gerne telefonieren. Bemerkenswert ist, dass Wertstoff-Alex mehrsprachig funktioniert (Deutsch, Englisch, Polnisch, Ukrainisch, Arabisch), um möglichst alle Bürger erreichen zu können. Die Einführung erfolgte in wenigen Monaten – zunächst mit Basiswissen und FAQs, später kamen tiefer integrierte Funktionen (wie die Tourenplan-Abfrage) hinzu. Dieses schrittweise Vorgehen sorgte für schnelle Erfolge und Akzeptanz bei Nutzern und Mitarbeitern. Die AHK zählt damit zu den digitalen Vorreitern ihrer Branche.

Auch in anderen Bereichen des Mittelstands gibt es ähnliche Pilotprojekte: Versorgungsbetriebe setzen Chatbots für Auskunftsdienste ein, Handelsunternehmen bieten virtuellen 24/7-Vertriebssupport, und selbst Schulen experimentieren mit Chatbots für organisatorische Anfragen. Wichtig ist, dass diese Beispiele zeigen, dass KI-Chatbots kein reines Konzern-Thema mehr sind. Mittelständler verschiedenster Branchen – von öffentlichen Dienstleistern bis zum Online-Handel – nutzen bereits Chatbots, um ihren Kundenservice effizienter zu gestalten. Die Erfahrungen der ersten Anwender stehen Nachzüglern zur Verfügung, sodass neue Projekte auf bewährten Konzepten aufbauen können. Das Risiko, „Neuland“ zu betreten, sinkt mit jedem erfolgreich abgeschlossenen Praxisprojekt.

Strategische und wirtschaftliche Vorteile (ROI)

Die Einführung von KI-Chatbots im Kundenservice kann erhebliche strategische und wirtschaftliche Vorteile mit sich bringen. Zentral steht dabei die Verbesserung der Servicequalität bei gleichzeitiger Kostensenkung. So berichten Unternehmen, die ihren Kundenservice bereits mit Chatbots automatisiert haben, im Schnitt von 30 % niedrigeren Personalkosten und 40 % höheren Kundenzufriedenheitswerten in diesem Bereich. Diese Zahlen verdeutlichen den doppelten Nutzen: einerseits direkte Kosteneinsparungen (weniger Aufwand für Routineanfragen, geringere Belastung von Hotlines), andererseits Umsatzchancen durch zufriedene Kunden (die z.B. eher erneut kaufen oder dem Unternehmen treu bleiben).

Auch der Return on Investment (ROI) solcher Lösungen kann sich sehen lassen. Einer Branchenanalyse zufolge erzielen Unternehmen durchschnittlich $3,50 Ertrag pro investiertem $1 in KI-gestützten Kundenservice – Spitzenreiter kommen sogar auf das Achtfache des Investments.  Mit anderen Worten: Ein erfolgreich implementierter Chatbot kann sich sehr schnell wirtschaftlich rentieren. Das bestätigt auch die Bitkom-Studie: Mittelständler mit KI-Projekten berichten einhellig von spürbar gesteigerter Wettbewerbsfähigkeit, effizienteren Abläufen und deutlichen Kosteneinsparungen durch KI-Technologien. Gerade für budget-sensible Mittelständler ist dieser ROI-Aspekt entscheidend.

Ein strategischer Vorteil von Chatbots ist zudem die Skalierbarkeit. Ist der Bot einmal trainiert und integriert, kann er ohne zusätzliche Personalkosten ein viel höheres Anfragevolumen bewältigen – z.B. bei Kampagnen, saisonalen Peaks oder außerhalb der Geschäftszeiten. 24/7-Verfügbarkeit bedeutet, dass kein Kundenkontakt unbearbeitet bleibt, selbst nachts oder am Wochenende. Dies kann zu einer besseren Lead-Generierung (Interessenten erhalten sofort Antworten) und geringeren Abwanderungsraten ungeduldiger Kunden führen. Außerdem lassen sich Chatbots mit personalisierten Angeboten verbinden: Sie können anhand von Kundendaten passende Produkte empfehlen oder Up-Selling betreiben. Studien im E-Commerce zeigen, dass Echtzeit-Empfehlungen via KI die Conversion-Rate deutlich erhöhen können (teilweise über 20 % Steigerung).

Trotz aller Vorteile darf man die Erwartungen realistisch halten. Nicht jeder Chatbot bringt automatisch Millionenersparnisse – der Mehrwert hängt stark von Anwendungsfall und Implementierungsqualität ab. Wichtig ist, klare Ziele und Messgrößen (KPIs) zu definieren: etwa Reduktion der durchschnittlichen Bearbeitungszeit, Senkung des Ticketvolumens im First-Level-Support oder Steigerung des Net Promoter Score (NPS) durch schnelleren Service. Werden diese Kennzahlen konsequent gemessen, lässt sich der ROI eines Chatbot-Projekts transparent belegen. Viele Unternehmen wählen gezielt einen begrenzten Anwendungsfall (z.B. „interaktives FAQ“), um einen sogenannten Quick Win zu erzielen – also einen schnellen Erfolg mit messbarem Nutzen. Ein KI-Chatbot, der häufige Kundenfragen automatisiert beantwortet, kann z.B. innerhalb weniger Monate zeigen, wie viele Anfragen er abgefangen hat und welche Zeitersparnis bzw. Kostensenkung daraus resultiert. Solche Quick Wins schaffen intern Vertrauen in die Technologie und ebnen den Weg für weitergehende KI-Initiativen.

Ein interessanter Aspekt in der strategischen Diskussion ist die Perspektive „Hype vs. echter Mehrwert“. Marktforscher prognostizieren teils sehr optimistische Szenarien – so wurde behauptet, bis 2025 könnten 95 % aller Kundeninteraktionen KI-gestützt erfolgen. Die Realität in 2025 sieht (noch) anders aus: Zwar nutzen immer mehr Unternehmen KI im Kundenservice, aber längst nicht alles läuft bereits über Bots. In vielen mittelständischen Service-Abteilungen steckt KI bislang in den Anfängen oder in Pilotprojekten. Allerdings nimmt der Trend Fahrt auf, weil die echten Mehrwerte immer sichtbarer werden. Der Hype wird dort zur Realität, wo Unternehmen zielgerichtet investieren und Learnings sammeln. Strategisch bedeutet das: Wer heute die Grundlage mit ersten KI-Lösungen legt, wird morgen im Wettbewerb profitieren – wer abwartet, könnte mittelfristig ins Hintertreffen geraten.

Technische Voraussetzungen und typische Herausforderungen

Bei der Einführung von KI-Chatbots in einer ERP-Umgebung gilt es, technische und organisatorische Voraussetzungen zu beachten. Zunächst muss das ERP-System (hier Business Central) die nötigen Schnittstellen bieten. Im Falle von BC ist das gegeben – über APIs, Web Services oder die oben erwähnte Power-Plattform lässt sich ein Chatbot anbinden. Für Cloud-basierte ERP-Lösungen wie Business Central Online sind oft bereits Konnektoren verfügbar, während bei On-Premises-Installationen eventuell zusätzliche Konfigurationsarbeit (z.B. Bereitstellen eines Webservices nach außen) nötig ist.

Datenqualität und Wissensbasis: Ein Chatbot ist nur so schlau wie die Daten und das Wissen, auf das er zugreifen kann. Daher sollte man sicherstellen, dass im ERP gepflegte Daten (Artikelstammdaten, Auftragsstatus, Kundendaten etc.) aktuell und konsistent sind. Für Fragen, die nicht 1:1 aus ERP-Daten beantwortet werden können (z.B. allgemeine FAQs, Richtlinien), muss der Bot mit einem entsprechenden Wissenspool oder regelbasierten Dialogen ausgestattet werden. Die Pflege dieser Inhalte ist eine kontinuierliche Aufgabe.

Integration in bestehende Systeme: Dies ist erfahrungsgemäß eine der größten Herausforderungen. Der Chatbot muss nicht nur mit dem ERP, sondern oft auch mit weiteren Kanälen integriert werden – z.B. der Website, einem Live-Chat-System, ggf. einem CRM oder Ticketsystem. Die Systemintegration erfordert sorgfältige Planung, damit der Datenaustausch reibungslos und sicher erfolgt. Oftmals müssen IT-Dienstleister oder Integrationspartner hinzugezogen werden, vor allem wenn eigene Schnittstellen programmiert oder Workflows in Power Automate angelegt werden sollen.

Datenschutz und Sicherheit: In Deutschland ein zentrales Thema – und zurecht. Ein KI-Chatbot darf keine sensiblen oder personenbezogenen Daten unkontrolliert preisgeben. Es ist wichtig, von Anfang an ein Datenschutzkonzept zu erstellen: Welche Daten darf der Bot verwenden? Wo werden Chat-Protokolle gespeichert? Werden externe KI-Dienste (z.B. von OpenAI) angebunden, und wenn ja, wie stellt man sicher, dass keine vertraulichen Informationen abfließen? Die Bitkom-Studie betont, dass klare Standards und transparente Prozesse nötig sind, um KI effektiv und sicher zu nutzen. Interessanterweise können gerade einfache Chatbot-Anwendungen in dieser Hinsicht relativ sicher gestaltet werden: Wenn der Bot z.B. nur auf veröffentlichungsfähige Informationen zugreifen darf und keine persönlichen Daten erhebt, hält man die Datenschutzrisiken gering. So hat es etwa die AHK beim Wertstoff-Alex gemacht – der Chatbot liefert ausschließlich öffentliche Infos (Abfuhrtermine, Öffnungszeiten etc.) und umgeht so die Problematik personenbezogener Daten. Nichtsdestotrotz muss jede Integration externer KI-Dienste datenschutzrechtlich geprüft werden, und ggf. sind Einwilligungen oder Informationspflichten zu beachten.

Mitarbeiterakzeptanz und Schulung: Die Einführung eines Chatbots kann im Team auch Vorbehalte auslösen – etwa die Angst, der Bot könne eines Tages den Arbeitsplatz ersetzen, oder Unsicherheit im Umgang mit der neuen Technologie. Hier ist Change Management gefragt. Ein bewährter Ansatz ist, die Mitarbeiter frühzeitig einzubinden und transparent zu kommunizieren, welche Ziele man mit dem Chatbot verfolgt. Schulungen sollten nicht nur die Bedienung erläutern, sondern auch Ängste nehmen. Wichtig: Das Support-Team muss wissen, wie es mit vom Bot übergebenen Fällen umgeht (Stichwort Hand-off bei komplizierten Anfragen) und wie es Feedback aus den Bot-Interaktionen zurückspielt, um den Chatbot kontinuierlich zu verbessern.

Zusammengefasst einige typische Herausforderungen bei der Einführung:

  • Systemintegration: Sicherstellen, dass der Chatbot nahtlos mit Business Central und ggf. weiteren Systemen kommuniziert.

  • Daten & Wissen: Aufbereitung von ERP-Daten und Zusatzwissen, damit der Bot sinnvolle Antworten geben kann.

  • Fachkräftemangel/Know-how: Im Mittelstand fehlen mitunter KI-Experten – die Zusammenarbeit mit externen Partnern oder die Nutzung von Low-Code-Plattformen (wie PVA) kann das ausgleichen.

  • Datenschutz & IT-Security: Klare Regeln definieren, Datenzugriffe beschränken, Security-Monitoring einrichten.

  • Change Management: Mitarbeiter früh abholen, Nutzen aufzeigen, Schulungen anbieten, um Akzeptanz zu schaffen.

Die gute Nachricht: Viele dieser Herausforderungen sind lösbar, insbesondere da es inzwischen erprobte Tools und Vorgehensmodelle gibt. So zeigen Projekte, dass der Implementierungsaufwand überschaubar bleiben kann. Gerade ein Chatbot im Kundenservice ist – verglichen mit komplexeren KI-Anwendungen – oft ein sinnvoll abgegrenztes Pilotprojekt, das mit vertretbarem Aufwand umgesetzt werden kann. Wichtig ist eben die sorgfältige Planung und Einbindung aller Beteiligten.

Handlungsempfehlungen für Entscheider im Mittelstand

Wie sollten mittelständische Entscheider an das Thema KI-Chatbots im Kundenservice herangehen? Hier einige praxisbewährte Empfehlungen, um echten Mehrwert zu erzielen und Hype-Fallen zu vermeiden:

  1. Kleines Pilotprojekt wählen: Starten Sie mit einem klar umrissenen Anwendungsfall (z.B. Chatbot als interaktives FAQ für Support-Fragen). Fokussieren Sie auf einen Bereich, in dem schnell Erfolge (Quick Wins) messbar sind. Ein solcher Piloterfolg – etwa eine spürbare Entlastung der Hotline innerhalb von 3 Monaten – schafft Momentum und rechtfertigt weitere Investitionen.

  2. ROI im Blick behalten: Legen Sie von Anfang an messbare Ziele fest: z.B. Reduktion eingehender Anrufe um X % oder Einsparung von Y Arbeitsstunden pro Monat. Messen Sie den ROI des Chatbots kontinuierlich anhand dieser Kenngrößen. So können Sie belegen, ob und wie sich die Investition auszahlt, und bei Erfolg die Skalierung begründen.

  3. Geeignete Technologie wählen: Prüfen Sie, welche Integrationsmöglichkeit am besten passt. Für Business Central bieten sich Microsoft-nahe Lösungen an – z.B. Power Virtual Agents in Kombination mit Power Automate und dem Dynamics-Konnektor. Diese No-Code-Ansätze eignen sich gut für den Mittelstand, da sie ohne großes Entwicklerteam umsetzbar sind. Alternativ können auch spezialisierte Chatbot-Plattformen oder erfahrene Dienstleister zum Einsatz kommen. Wichtig ist, dass die Lösung mit Ihrem ERP-System spricht und bei Bedarf erweitert werden kann.

  4. Datenschutz und Sicherheit einplanen: Bevor der Chatbot live geht, erstellen Sie ein Datenschutz- und Sicherheitskonzept. Binden Sie ggf. Ihren Datenschutzbeauftragten ein. Minimieren Sie die Daten, die der Bot verarbeitet (Prinzip der Datensparsamkeit). Nutzen Sie Testumgebungen, um zu prüfen, welche Informationen der Bot preisgibt. Kommunikation mit externen KI-Services sollte stets verschlüsselt erfolgen, und Zugriffe des Bots auf ERP-Daten sollten strikt kontrolliert (und protokolliert) sein.

  5. Mitarbeiter einbeziehen und schulen: Kommunizieren Sie intern klar, dass der Chatbot die Mitarbeiter unterstützen, nicht ersetzen soll. Präsentieren Sie frühzeitig Prototypen und holen Sie Feedback Ihrer Service-Mitarbeiter ein – sie kennen die typischen Kundenfragen am besten und können wertvolle Hinweise geben, welche Dialoge der Bot abdecken sollte. Schulen Sie Ihr Team sowohl darin, den Chatbot zu “trainieren” (z.B. bei Fehlantworten nachzubessern) als auch im Umgang mit Übergaben vom Bot an den Menschen, wenn ein komplexer Fall auftritt. Eine Kultur der Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI fördert die Akzeptanz enorm.

  6. Kontinuierlich verbessern: Ein Chatbot-Projekt ist nicht “fertig” mit dem Go-Live. Planen Sie Ressourcen ein, um den Bot anhand von Nutzungsdaten fortlaufend zu optimieren. Analysieren Sie z.B., welche Fragen der Bot nicht beantworten konnte, und erweitern Sie seine Wissensbasis entsprechend. Durch regelmäßige Updates bleibt der Mehrwert hoch und der Chatbot wird mit der Zeit immer smarter.

Durch diese Vorgehensweise kann der Mittelstand sicherstellen, dass KI-Chatbots nicht als Spielerei versanden, sondern schrittweise echten Wert stiften. Wichtig ist der strategische Blick: Ein Chatbot sollte in die übergeordnete Digitalisierungsstrategie passen und nicht isoliert betrachtet werden. Wenn möglich, knüpfen Sie interne KI-Kompetenzen an das Projekt: Mitarbeiter, die den Chatbot betreuen, bauen wertvolles Know-how auf, das auch für weitere KI-Initiativen (z.B. in anderen Unternehmensbereichen) nützlich ist.

Fazit: Hype oder echter Mehrwert?

Können KI-Chatbots für den Kundenservice die Zukunft in ERP-Umgebungen sein? Unsere Analyse zeigt: Ja – aber nur, wenn man es richtig angeht. Die Technologie ist reif genug, um realen Nutzen im Mittelstand zu stiften, was Beispiele und Studien eindrucksvoll belegen. Chatbots können Serviceprozesse beschleunigen, Kosten senken und Kundenerwartungen nach 24/7-Service erfüllen. Integriert in ERP-Systeme wie Dynamics 365 Business Central eröffnen sie ganz neue Möglichkeiten, Geschäftsprozesse dialogorientiert zu gestalten und Informationen auf Zuruf verfügbar zu machen. Diese Vision eines „Conversational ERP“ ist ein starkes Zukunftsbild.

Gleichzeitig darf der Hype-Aspekt nicht ignoriert werden. Nicht jeder vollmundige Trend hält, was er verspricht. Entscheider sollten daher pragmatisch vorgehen: Mit realistischen Zielen starten, den Erfolg kritisch messen und den Chatbot als lernendes System verstehen, das mit der Zeit besser wird. Die Erfahrung zeigt, dass KI-Chatbots kein Selbstläufer sind – ohne qualitativ gute Daten, gute Integration und Betreuung werden sie kaum Mehrwert bringen. Wer jedoch die Weichen richtig stellt, für den können Chatbots tatsächlich ein echter Game-Changer im Kundenservice sein.

Für mittelständische Unternehmen heißt das konkret: Jetzt ist ein idealer Zeitpunkt, sich mit dem Thema zu befassen und erste Schritte zu gehen. Andere Länder und große Wettbewerber machen es vor – durch frühe KI-Investitionen lassen sich beträchtliche Vorteile erzielen. Der deutsche Mittelstand kann und sollte hier aufschließen. Ein KI-Chatbot im Kundenservice ist eine überschaubare Investition mit potenziell hoher Rendite und zudem ein hervorragendes Lernprojekt, um KI-Kompetenz im Unternehmen aufzubauen.

Fazit: KI-Chatbots sind weit mehr als nur Hype – sie stellen einen echten Mehrwert dar, wenn sie strategisch klug eingeführt werden. In ERP-Umgebungen wie Business Central werden sie aller Voraussicht nach zu einem festen Bestandteil der Systemlandschaft von morgen gehören. Mittelständische Unternehmen sollten die Chancen nutzen, aber mit Augenmaß vorgehen. Dann lautet die Antwort auf die Frage im Titel eindeutig: Ja, KI-Chatbots können die Zukunft im Kunden

Quellen

  • Bitkom 2024 – Studienergebnisse zur Nutzung und Akzeptanz von KI im Kundenservice.

  • Microsoft Copilot & Power Virtual Agents – Infos zur Chatbot-Integration in Dynamics 365 / Business Central.

  • Make.com – Praxisbeispiel für Middleware-Einsatz zur Automatisierung.

  • Fallstudie „Wertstoff-Alex“ – Öffentliche KI-Chatbot-Umsetzung mit ROI-Daten.

  • Gartner & Forbes – Einschätzungen zur Zukunft von Conversational AI.

  • Microsoft Learn / Power Platform Docs – Umsetzung und Sicherheit bei der Integration.